Glück wie Licht auf Wasser

Es gibt diese Momente, die kaum greifen lassen. Sie sind da, ganz still und im nächsten Augenblick schon wieder fort. Wie Licht, das auf Wasser tanzt, sich bricht, flimmert und verschwindet, sobald man genauer hinschauen will. Ich glaube, genau darin liegt ihr Zauber.

Glücksmomente kündigen sich selten laut an. Sie klopfen nicht an, sie planen sich nicht ein, sie lassen sich nicht festhalten. Sie geschehen einfach. Zwischen zwei Gedanken. Mitten im Alltag. Vielleicht, wenn der Kaffee noch warm ist und die Welt für einen Atemzug stillsteht. Oder wenn ein Lächeln genau im richtigen Moment ankommt. Und während wir noch denken „Bleib doch noch ein bisschen“, sind sie schon weitergezogen.

Früher fand ich das traurig. Dieses Flüchtige, dieses Unfassbare. Doch heute fühlt es sich anders an. Vielleicht gerade weil sie nicht bleiben, tragen wir sie so tief in uns. Vielleicht gerade weil wir sie nicht festhalten können, werden sie so kostbar. Wie kleine Lichtspuren, die sich irgendwo in unserem Inneren ablegen leise, aber leuchtend. Und manchmal, wenn ein Tag schwer ist oder die Gedanken zu laut werden,
dann blitzen sie wieder auf. Diese Erinnerungen. Wie Sonnenreflexe auf Wasser. Und plötzlich wird es ein wenig heller.

Ich glaube, Glück will gar nicht festgehalten werden. Es möchte erlebt werden. Ganz da sein, für einen kurzen Augenblick und dann weiterziehen. Damit Platz bleibt für das nächste kleine Wunder. Vielleicht ist genau das die frohe Botschaft darin: Dass wir Glück nicht sammeln müssen. Dass wir es nicht festhalten oder vermehren müssen. Es reicht, es zu bemerken. Und vielleicht heute, ganz leise, ist da schon wieder so ein Moment. Ein kleiner Lichtschein. Du musst ihn nur sehen.

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