Ein Nachmittag zwischen Büchern und Kissen

Manchmal sind es nicht die Geschichten im Buch, die bleiben, sondern das, was daneben passiert. Seine kleine warme Hand lag in meiner, während ich vorgelesen habe, und plötzlich war alles ganz ruhig. Selbst in mir.

Neulich war ich mit meinem Enkelkind in unserer Stadtbücherei. Kein großes Vorhaben, eher ein stiller Plan für den Nachmittag. Drinnen empfing uns diese besondere Ruhe, die nichts fordert und trotzdem trägt. Eine Ruhe, die sofort langsamer macht.

Wir haben uns auf ein Sofa gesetzt, zwischen bunte, blumige Kissen, die aussahen, als hätten sie schon viele Geschichten gehört. Mein Enkel rückte näher, ich schlug ein Buch auf, dann noch eines. Ich las vor, er hörte zu, manchmal mit großen Augen, manchmal halb versunken. Seine kleine warme Hand lag in meiner, ganz selbstverständlich, als wäre das der sicherste Platz der Welt. Ich habe vorgelesen, langsam, manchmal mit kleinen Pausen, weil er etwas sagen wollte oder einfach nur schauen. Es war ruhig, nicht dieses strenge Stillsein, sondern eine freundliche, weiche Ruhe.

Die Bücherei ist voller kleiner Sitzecken, überall Orte zum Ankommen. Sessel am Fenster, niedrige Tische, Ecken, in denen man sich fast vergisst. Es fühlt sich nicht nach „still sein müssen“ an, sondern nach „hier darfst du bleiben“. Selbst eine Kaffeemaschine steht da, leise selbstverständlich, als würde sie sagen: Mach es dir bequem.

Zwischen den Regalen lag etwas Vertrautes. Vielleicht war es das gemeinsame Lesen, vielleicht das Nebeneinandersitzen. Vielleicht auch nur das Wissen, dass es Orte gibt, die nichts wollen, außer dass man da ist. Mit einem Kind auf dem Sofa, einem Buch in der Hand und dem Gefühl, dass genau dieser Moment reicht.

Als wir gingen, nahm ich mehr mit als gelesene Seiten. Ein wenig Ruhe, die nachklang. Und die leise Gewissheit, dass diese Bücherei nicht nur Bücher sammelt, sondern Zeit. Für Geschichten. Für Nähe. Für kleine Pausen mitten im Alltag.

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